Allein auf Dienstreise - Einsamkeit und Inspiration

by - November 12, 2017

Es gibt diejenigen, die gern unterwegs sind, für die Dienstreisen ein Statussymbol darstellen und die davon unter Freunden ins Schwärmen geraten. Und es gibt die Anderen, denen es graut, wenn sie sich allein auf den Weg im Namen der Firma begeben. Mittlerweile gehöre ich eher zur letzteren Spezies – warum ich nicht mehr gern tue, wovon viele träumen, möchte ich hier zum Ausdruck bringen.


Zu Beginn: Entschuldigung, das bin ich auch

Mein Antrieb, diesen Blog zu schreiben, ist irgendwo begründet zwischen Lust am Schreiben, Fotos bearbeiten, kreativ sein, Dinge, die ich an meinem aktuellen Beruf manchmal vermisse. Warum ich aber auch schreibe ist, weil ich mich ausdrücken möchte, meine Gedanken verschriftlichen, um klar zu denken und euch daran teilhaben zu lassen. Im Prinzip sind alle Einträge entstanden aus Gedanken, die ich rund um mein Arbeitsleben gedacht habe, aber manche sind eben persönlicher, emotionaler, lassen tiefer blicken. Dies ist einer davon.

Am Anfang war alles strahlend und Glamour.

Die ersten Dienstreisen waren noch aufregend. Als ich vor zwei Jahren einen neuen Job anfing, fingen auch die Dienstreisen an. Ich stieg in schicken Hotels ab, nutze den Wellnessbereich, ließ mir das obstreiche Frühstücksbüffet schmecken und brachte dann eine Handvoll Shampoo und Seife in Reisegrößen mit nach Hause. Manchmal lief ich abends noch durch die Stadt, besorgte mir mein Abendbrot To Go und beendete den Tag mit fernsehen. Höhepunkt war ein Inlandsflug im Business-Dress inkl. Reflexion meiner bisherigen Karriere und Tomatensaft. Damals dachte ich, dass ich dadurch viele Städte bereise und viel sehe, aber der Schein trug.


Am Ende bist du einfach allein, im Dunklen, gelangweilt.

Drei Dinge, die mir relativ schnell einleuchteten:

  • Frühstücken allein macht keinen Spaß. Nicht nur, dass ich ungern allein esse und eigentlich keinen Appetit entwickeln kann, auch kann ich nicht unbeschwert das Handy auf dem Tisch liegen lassen, mich nicht unterhalten – ich sitze nur da, stumm und versuche so schnell wie möglich, Früchte und Nürnberger Würstchen in mich hinein zu schaufeln, um aus dieser gefühlt unangenehmen Situation möglichst schnell zu entkommen. Wenn ich nicht gerade im Home Office arbeite, trinke ich nicht einmal einen Kaffee allein... 
  • Alle Städte sind im Dunklen Grau. Der Zweck einer Dienstreise ist meistens, einer Aufgabe nachzugehen, die im Wesentlichem tagsüber stattfindet. Bedeutet, die Städte, in denen ich bisher war, habe ich nur im Dunklen zu Gesicht bekommen. In Wien war ich in der fast menschenleeren Universität, in Berlin stand ich bei Nacht vorm Brandenburger Tor und dem Kanzleramt und in Stuttgart gibt es ein wunderschönes Schloss mitten in der Stadt, das ich nur schemenhaft erkennen konnte. Davon abgesehen, dass ich Menschen suspekt finde, die im Dunklen auf Sightseeing-Tour gehen, bin ich im Nachhinein froh, dass noch nichts passiert ist, wenn ich so allein zu diesen Uhrzeiten dem Drang nachgebe, doch etwas von meiner Destination sehen zu wollen.
  • Die Möglichkeiten an Aktivitäten beschränken sich auf ein Minimum. Nachdem Sightseeing aus genannten Gründen flachfällt, beschränken sich meine möglichen Aktivitäten also auf die Gegebenheiten im Hotel. Fitnessraum – praktisch, wenn ich nicht gerade nur mit Handgepäck angereist bin (gleiches gilt für Bücher), aber meist bin ich nach längerer Anreise oder dem Arbeitstag zu platt, um diesen wirklich zu würdigen. Fernseher – wer mich kennt, der weiß, dass ich noch nie einen Fernseher besaß und auch nur ganz selten auf die Idee käme, selbst zur Fernbedienung zu greifen. Bad – immer wenn ich aus meinem Badewannen freien Haushalt einen Badezusatz für die Reise mitnehme, habe ich mit großer Wahrscheinlichkeit das Glück, ein Zimmer ohne Badewanne zu erwischen... 


Was bleibt also? Kreative Abendgestaltung

Wenn ich eine Sache auf Dienstreisen gelernt habe, dann ist es, dass ich mich nicht mit dem Gefühl von Einsamkeit und Abwarten abfinden muss. Meist suche ich mir deshalb schon im Vorfeld Orte oder Locations, die ich besuchen würde, wenn ich privat auf einem Städtetrip unterwegs wäre. 

Der Vorteil ist: Niemand kennt dich 

Als ich das letzte Mal in Stuttgart war, habe ich dort ein wundervolles Upcycling Modelabel namens „Wiederbelebt“ aufgesucht. Der Laden liegt zwar mitten im Rotlichtviertel Stuttgarts, was angesichts der Dunkelheit schon zum Anblick einiger seltsamer Gestalten gesorgt hat, aber ich hatte ein inspirierendes Gespräch mit den beiden Gründern, die wirklich Herzblut in ihre Schnitte und Stücke stecken. Ob ich mich das zuhause im Laden um die Ecke getraut hätte? Ich bin mir nicht sicher. In jedem Fall bin ich sehr beseelt weitermarschiert, ich kann gerne nochmal an anderer Stelle über das Label schreiben, weil es mich ernsthaft tief beeindruckt und die Geschichte mich berührt hat - und wer mag keine schönen Geschichten fürs Herz? 

Du kannst die Stadt probieren 

Was eine meiner verborgenen Leidenschaften ist: das neueste Hipster-Food und Locations ausprobieren. Das geht soweit, dass ich ein Mal im Jahr nach Berlin fahre und dort an einem Wochenende neue Locations, Superfoods und Foodtrends erhasche. Ich verwende dazu meistens die Yelp App, bei der ich sortieren kann, was besonders gut bewertet wurde. In Stuttgart war das ein Falafel Grill namens „Vegi“. Davon abgesehen, dass ich mich von oben bis unten bei meinem Nachspaziergang dann mit Mango Chutney und Erdnusssoße bekleckert habe, war das ein Volltreffer. Ich suche nach solchen Take-aways, Restaurants oder Coffee Shops schon meist im Voraus auf der Fahrt, da ich eigentlich immer mit der Bahn anreise und dann genügend Zeit dafür habe.


Ein bisschen Wellness schadet keiner Prinzessin 

Und ja, ich muss es zugeben, ich mag es, abends ein bisschen Prinzessin im Hotel zu spielen. Mich in meine Schlafshorts zu werfen und dann im Badezimmer ein neues Peeling oder eine Maske oder beides zu verwenden. Häufig hat ja das Reisen den Vorteil, dass es an Flughäfen und Bahnhöfen einige Geschäfte bzw. Drogerien gibt, bei denen man sich etwas für den perfekten Abend gönnen kann. Natürlich immer nur im Hinblick auf den strahlenden Auftritt am nächsten Morgen - dem eigentlichen Grund der Dienstreise. ;-)


Eure Desirée

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