Was hält uns davon ab, glücklich zu sein? Teil 2

by - April 13, 2018

Der erste Teil der Frage zum Glücklichsein habe ich vor drei Wochen veröffentlicht. In der Zwischenzeit ist viel passiert, was mich noch tiefer ins Grübeln über das Glück gebracht hat. Manchmal lernt man vielleicht mehr über das Glück, wenn man für sich lernt, was es nicht ist. Und dabei ist es extrem wichtig - und das klingt jetzt so banal - sich einmal selbst zuzuhören. Im letzten Teil hatte ich da schon einmal eine Anspielung mit der Aussage: "Ich bin so ein Depp", gemacht. Ein so verletzender Satz, den man sich selbst so oft vor den Kopf knallt.

Um einmal konkreter zu werden, ich habe in den letzten Monaten objektiv viel zu viel gearbeitet. Teilweise an den Wochenenden, teilweise spät abends bis 23 Uhr, im Zug - überall wo es eben ging und Zeit war. Die Quittung habe ich dann auch dafür bekommen und festgestellt, dass es so nicht weitergeht. Und dann habe ich angefangen, mir einmal zuzuhören. Ich habe erst gestern einen Satz gesagt, der lautete: "Ich fahre lieber vom Hauptbahnhof ab, da es da eine DB Lounge gibt, in der ich weiterarbeiten kann, falls der Zug verspätet ist". Statt mir ein Brötchen zu kaufen und den Feierabend mit einer Apfelschorle in der DB Lounge einzuläuten, habe ich lieber noch ein paar Mails beantwortet und bin dann ziemlich hungrig zwei Stunden später zuhause aufgeschlagen. Objektiv total dumm, aber subjektiv war mir nicht bewusst, wie eingenommen ich schon war. Hätte ich mich mal reden hören...

Und nach dieser kurzen Einleitung komme ich zu dem zweiten Teil meiner Frage nach dem Glück. Den ersten Teil könnt ihr übrigens hier nachlesen.


   
6. Gesellschaftliche Erwartungen

Es ist eigentlich ironisch, dass uns Menschen, die wir über die Familie, Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis hinaus gar nicht namentlich nennen können, Wege für unser Leben vorgeben wollen. Aber tun sie das wirklich aktiv oder denken wir nur, dass wir einer bestimmten Vorgabe entsprechen müssen? Dabei sind die Schubladen ja sehr vielfältig: Familienplanung, Kleidungsstil, Hobbys, Musikgeschmack... Manchmal erwische ich mich mitten in einem Gedanken und frage mich, darf ich das? Darf ich auf Bild.de lesen, obwohl ich studiert habe? Wie sieht es aus, wenn ich mit Anfang 30 Harry Potter lese (erstmalig)? Und dieses Bloggen? (Darüber habe ich mich übrigens in dem Post: Ich blogge also PEINLich?! ausgelassen ;-). Sollte ich stattdessen nicht lieber eine Familie gründen? Und warum mache ich Karriere, ziehe dafür aus meinem Dorf weg und gehe nicht auf die Kirmes im Nachbarort? Skandal! Ganz ehrlich: Es ist mein Leben. Also sollten wir damit auch das machen, was uns in den Kram passt. Häufig glauben wir doch nur zu glauben, was DIE Gesellschaft ist und will. Nicht so eng sehen...

7. Immer Ziele haben müssen und nach ihnen streben

An vielen Stellen wird uns suggeriert, dass es immer gut ist, Ziele zu haben und nach ihnen zu streben. Wir sollen 10.000 Schritte am Tag gehen, um gesund zu bleiben. Niemals eine Auszeit nehmen, um die Vita nicht zu versauen. Das Studium oder die Ausbildung abschließen, auch wenn wir feststellen, dass es nicht das Richtige ist. Am ehesten stellt man das fest, wenn man eines dieser Ziele erreicht hat und merkt, dass wir kein bisschen glücklicher sind als vorher. Wenn das Ziel ist, sich unnötig unter Druck setzen zu wollen, dann ist das der beste Weg, unglücklich zu werden. Nicht missverstehen, Ziele sind nicht per se schlecht, aber sie sollten von uns selbst gewollt werden und nicht allgemeine Ziele sein, die doch angeblich jeder erreichen möchte. Es ist aber auch ok, wenn wir sagen, dass wir gerade keine Ziele haben. Was wäre so schlimm daran?

8. Nicht mit sich allein sein können

Was ich erst vor kurzem festgestellt habe, wir verlernen uns selbst wahrzunehmen, wenn wir uns nicht mit uns selbst beschäftigen und reflektieren. Das gelingt am besten, wenn wir allein sind und uns nicht mit permanenter Bespaßung ablenken lassen. Ich glaube, dass Menschen, die sich auch mit sich selbst beschäftigen können und sich nicht leer fühlen, wenn sie nicht vom Fernseher berieselt werden, mit sich selbst eher im Reinen sind und besser versteht, was gut tut und was nicht.



   
9. Die Wenn-Dann-Falle

Kennt ihr das, wenn ihr sagt, wenn ich doch erstmal neue Laufschuhe habe, dann fange ich wieder mit dem Laufen an. Oder wenn es draußen wieder kälter wird, dann Miste ich meinen Kleiderschrank aus. Oder wenn ich einen neuen Computer hätte, würde das Hausarbeitenschreiben viel mehr Spaß machen. Ganz ehrlich, der richtige Moment kommt einfach nie wirklich und man setzt nie das Dann um. Und am Ende ärgern wir uns doch nur darüber, dass wir Dinge nicht einfach gemacht haben oder früher mit irgendetwas angefangen haben. Die Beispiele klingen erstmal so, dass man die Gelegenheiten nachholen kann. Aber es gibt genug Menschen, die ihre Lebensträume ewig vor sich herschieben und niemand von ihnen weiß, wie fit man noch ist, wenn das Wenn - die richtige Gelegenheit - eintritt. Also lieber im Jetzt leben und versuchen, Dinge direkt umzusetzen, auch wenn man viel vorschieben kann.


10. Entschuldigungen und Ausreden aus der Vergangenheit

Häufig schieben wir unser Verhalten auf Ereignisse, die in der Vergangenheit liegen oder unsere Erziehung. Dabei finden dort auch gute Ausreden für heute. Ich habe Jahre lang viel zu wenig Obst gegessen, selten Bücher gelesen und kaum Sport gemacht - bei meinen Eltern war das eben so an der Tagesordnung. Heute fragen mich meine Eltern, warum ich so anders sei. Einfach, weil ich gemerkt habe, dass ich Dinge ändern kann, wenn sie mich stören und ich nicht sagen will, dass mich irgendetwas, was sich so eingebürgert hat, davon abhält. Wenn ihr euch das nächste Mal zuhört und dabei ertappt, wie euch eine Ausrede über die Lippen kommt, dann überlegt euch, ob die Ausrede noch gültig im Jetzt ist.

Auch nach 10 Punkten fallen mir noch ein paar ein... aber ich bin mir nicht sicher, ob die restlichen noch so viel hergeben, um noch einen dritten Teil zu schreiben. Fehlt euch hier noch ein Faktor zu "eurem Glück"?

Eure Desirée

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