8 Stunden Hamburg - wenn das Gute liegt so nah

by - Mai 04, 2018

Es regnet und stürmt. Doch ich bin vorbereitet. Heute Outdoor-Rucksack statt Ledertasche. Den stören die Wassertropfen nicht, die der Regen an ihm abperlen lässt. Wie in meiner Schulzeit fühle ich mich mit meinem Kunststoff-Begleiter auf dem Rücken, er ist hässlich aber praktisch. Leder ist etwas für Biker oder das Büro in Frankfurt. Am 1. Mai war ich weit weg davon. Ich bin vorbereitet - wasserfeste Maskara. Doch wie zerzaust der Dutt am Ende des Tages ist, ist egal, denn Reisen macht mich glücklich. Hamburg strengt sich heute an und zeigt sich von seiner bekannten Seite. Was ist diese Stadt ohne Regen und Wind, ohne Grau? Nordromanze, so wie ein Himmel ohne Sterne. Und so könnte auch eine Zeile im Poetry-Slam klingen.



Als Jugendliche habe ich immer vom Tor zur Welt geschwärmt, wenn wir an einem Bahnhof vorbeikamen, und war es auch nur der Provinzbahnhof in Eschwege-West am Rande zur Thüringischen Grenze. Bahnfahren war damals für mich unerschwinglich. Heute habe ich die BahnCard 100 und nutze sie nur für die Arbeit, weil ich keine Zeit mehr übrig habe, um sie privat zu nutzen. Und was nützt die Freifahrt, wenn man alleine reist? Ich fühle mich immer noch merkwürdig, wenn ich vom Fahrkartenkontrolleur besonders freundlich begrüßt werde, vor allem heute mit meinem Kunststoff-Begleiter. Der junge Mann hat sicherlich auch eine andere Vorstellung von BahnCard-100-Besitzern - ich übrigens auch. Ich bin die Verrückte, die durch alle Stille schallend lacht, weil es im Podcast "Herrengedeck" wieder heiß hergeht, der mir die Wartezeit bis in den Norden versüßt.

Warum Hamburg? Nun ja, ich habe - wie alle - "mal was mit Medien" gemacht und um es in den Worten eines meiner (vielleicht schon bemerkt) favorisierten Musikers zu sagen:

Und mein Umfeld, alles inspirierte Kreative,
internationale Avantgarde, Elite voller Liebe.

- Curse, Bei mir -

Die Stadt fasziniert mich, wühlt mich auf, gibt mir Ruhe. Ich komme an und bin angekommen. Fühle mich frei, inspiriert, in mich gekehrt, offen für die Welt. Das Gefühl von Urbanität am Meer ist einzigartig. Es ist wie ein langer Urlaub in 8 Stunden - Hamburg, meine Perle. Und hier ruht auch ein Teil meiner Vergangenheit, ein paar Freunde, die mich seit ewiger Zeit begleiten und die ich nicht missen möchte. Wenn ich mal dort bin, machen sie meinen Aufenthalt immer zu etwas ganz Besonderem, egal wie kurz er ist - trotz Regen und Sturm und viel zu dünner Jacke.

Wir lachen viel zusammen, essen viel, lassen uns vom Wind durchpeitschen und retten uns in die Elphi (Elbphilharmonie). Ein kleiner Traum, sie zu besuchen, seit das Projekt in meinen geliebten Medien zerrissen wurde. Wir genießen den Blick vom Balkon dieses Kunstwerks, hinein in den Hafen und den alten Kaffeespeicher. Die Elphi hat schon Geschichte geschrieben, bevor sie fertig war und sie beeindruckt mich in ihrer Schönheit.











Von der modernen Hafencity geht es anschließend ins Schanzenviertel. Ein Ort, an dem man sich am 1. Mai am besten nicht nach 18 Uhr aufhalten sollte. Eine Schar gepanzerter Polizisten ließen erahnen, was bei den Demos am Abend auf sich warten ließ. Aber noch ist es bunt, die Straßen voll mit Streetart und unsere Bäuche mit Burgern. Ich genieße die Atmosphäre von Kunst, Kreativen, Alternativen, fernab von den Banktürmen in Frankfurt. Hier lässt es sich aushalten, nein, richtiger ist, hier lässt es sich leben.




Ich genieße die Zeit in vollen Atemzügen und bin glücklich, als ich abends mit 10km auf meiner Apple Health App und über 700 Kilometer Bahnstrecke im ICE in Kassel-Wilhelmshöhe eintrudele. Die Inspiration wird ein paar Tage noch andauern. Und ich habe diesen Artikel geschrieben, um das Gefühl für mich zu konservieren. In Worte zu fassen, was die Stadt mit mir macht, ist unmöglich und wenig ist passiert, nur viel gesehen, viel gefühlt - das reicht.

Eure Desirée

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