Blogpause: Warum habt ihr nichts von mir gehört?

by - Juni 24, 2018

Mein letzter Eintrag hier ist schon eine Weile her - es war Funkstille. Was ist passiert, dass ihr nichts mehr von mir gehört habt? Nun, es kam irgendwie, wie es kommen musste. Kurz vor dem Urlaub habe ich Pläne geschmiedet, mich gefreut, nach dem Urlaub dann von meinem Trip zu berichten, tolle Fotos zu machen, sie mit aller Liebe zu bearbeiten, zusätzliche Infos herauszusuchen und die Erinnerung hier festzuhalten. Aber irgendwie hat sich das dann plötzlich nach Arbeit angefühlt. Ja, verdammt, ein Blog ist viel Arbeit und man muss sich die Zeit nehmen! Aber Stopp! "Arbeit" und "Muss" ist genau das, was ich hier nicht erreichen wollte. Ich wollte mit dem Blog kein neues Hamsterrad in Gang bringen, mich nicht unter Druck setzen, keine Arbeit produzieren, sondern ein Hobby pflegen, an dem ich Spaß habe, dem ich mit Leidenschaft nachgehe.

Die Sache mit dem Perfektionismus 

Versteht mich nicht falsch, ein Blog ist nunmal Arbeit, aber eigentlich eine schöne, die man in Kauf nimmt, um eben sein Hobby betreiben zu können. Eine Basis. Ich habe mich aber oft dabei erwischt, wie ich wieder begann, nach einem neuen Template Ausschau zu halten, um den Blog zu perfektionieren. Dabei war ich eigentlich am Anfang wahnsinnig stolz auf mich, dass ich genau diese Art von Perfektion hier nicht angesetzt habe und einfach in einer Nacht und Nebelaktion den Blog ins Leben gerufen habe - ich erinnere mich an den Satz "Anfangen hilft". Verflucht, ich will Abstand gewinnen von dieser Art zerstörerischen, hemmenden Perfektionismus, der mich davon abhält, mich hier auszutoben. Das wäre gerade so, als würde ich erst in ein Bällebad springen, nachdem ich die Bälle nach Farben sortiert hätte. (Und dann war da noch die Sache mit der DSGVO, die mich echt lange beschäftigt hat und mir auch Angst vor Abmahnungen eingejagt hat...)

Mein Anspruch an meine Arbeit

Mir wurde dieses Perfektionsstreben erst wieder klar und vor Augen geführt, als ich mich neulich mit einem Kollegen über unser gemeinsames Fotohobby unterhielt. Er ist sehr aktiv auf Flickr (oder jetzt Smugmug) unterwegs und hat mich damit angefixt. Aber der Grund, warum er noch nie eins meiner Fotos gesehen hat ist, dass ich erst überlegen wollte, welches Thema ich mit meinem Bildern dort in der Community besetzen wollte, welche Geschichte ich dazu erzählen kann und auch, ob die Bilder eigentlich gut genug sind, um sie in dieser kritischen Öffentlichkeit zu zeigen. Er sagte mir dann ziemlich deutlich, dass es dabei doch um Spaß an der Fotografie ging und um ein Hobby, dass nicht wieder in einer Art von Leistungsdruck ausarten sollte. Wie recht er doch hat. Warum tappe ich immer wieder in diese Falle? Klar ist es gut, immer alles geben zu wollen, aber um ehrlich zu sich selbst zu sein, man wird wahrscheinlich niemals in irgendeiner Disziplin, die man "nur" als Hobby betreibt, die Beste sein. Aber das darf kein Grund sein, das Hobby aufzugeben und die Lust daran zu verlieren.

Ausziehen, bitte!

Und dann habe ich gerade in den letzten Monaten gemerkt, wie mein Blog anfing, an Reichweite zu gewinnen. Ich hatte irgendwo tatsächlich Angst, dass er buchstäblich an die Öffentlichkeit gerät. Und ja, es ist dumm, wir sind hier alle im Internet und Blogs sind öffentlich zugänglich für jeden. Aber bisher habe ich immer unterschieden zwischen der anonymen Öffentlichkeit, die sich im Netz tummelt, nach Themen sucht, zufällig über Google oder andere Blogs auf mich stoßen und der Öffentlichkeit aus dem realen Leben, meine Freunde, Familie, Kollegen. Und dann habe ich mich gefragt, wie sehr muss ich mich eigentlich mit meinen Worten zurückhalten? Meine Antwort ist, wenn ich mir selbst einen Maulkorb anlege, dann macht ein Blog einfach keinen Sinn. Man kann nicht einen Blog schreiben und gleichzeitig schweigen - das wäre mehr als schizophren. Es ist aber nicht so, dass ich an irgendeiner Stelle geschwindelt hätte, aber ich hätte an vielen Punkten noch mehr schreiben können - persönliche Erfahrungen, Gefühle, das was den Unterschied macht, zu einer stumpfen Zahlen, Daten, Fakten-Nachrichtenseite.

Ich bin mir noch nicht sicher, was das jetzt für meinen Blog bedeuten wird, aber ich werde wieder mehr auf mein Herz hören, meinem Hobby folgen, und mir mehr Gedanken von der Seele schreiben, das steht fest. Das musste ich jetzt mal loswerden. Danke fürs Zuhören.

Eure Desirée

P.S.: Und jetzt stelle ich den Text einfach live, ohne ihn nochmal mit Feinschliff zu versehen. 
Sorry, not sorry.

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